Aus dem Autorenleben,  Dark Side,  News

Rivalität und Pick-Me Autoren.

Unser heutiges Thema ist inspiriert vom #Autorensonntag. Das Thema dort ist “Rivalität unter Autoren” Aber ich glaube, dass an dieser Stelle vielleicht noch ein zweiter Ansatz etwas beleuchtet werden sollte.

Rivalität und Pick-Me Autoren.

Eigentlich wollen wir nur Geschichten schreiben. Doch gerade wir Selfpublisher haben ein gigantisches Problem.
Bücher veröffentlichen ist scheiße teuer und um das finanzieren zu können, müssen wir Bücher nicht nur veröffentlichen, sondern auch verkaufen. Während Autoren sich nur um neue Welten kümmern und ihre Protagonisten quälen möchten, werden sie in die grausame, kalte Welt des Marketings geschubst.

Marketing und Konkurenzkampf

Was viele nicht verstehen, oder immer mal wieder vergessen, ist, dass es keinen echten Konkurrenzkampf zwischen Autoren gibt.
Die meisten Leser die bereit sind Indieautoren eine Chance zu geben, lesen nicht nur ein Buch im Jahr, eher so um die 10 – 100. Und lasst uns einen Moment realistisch sein:

Die wenigsten Autoren veröffentlichen 10 Bücher im Jahr.

Man könnte sagen, es ist genug Leser für alle da.

Aber wo soll man diese Leser finden?

Wir sind dazu angehalten, Werbung für uns zu machen. Immer. Jeden Tag. Wenn ich einer Freundin erzähle, dass ich überlege, ein Youtube-Video aufzunehmen ist die erste Frage: Was ist deine Zielgruppe? Und eigentlich wollte ich das doch gar nicht für meine Buchreichweite, sondern … naja für mich. Aber weil es von uns erwartet wird, posten wir brav auf unseren Social-Media-Kanälen: »Habt ihr schon mein Buch XY gelesen? Es ist sooooo gut!«

Autoren im Social Media.

Was passiert da aber wirklich? Also was passiert mit uns? Den Autoren, den Menschen hinter den langweiligen Werbetweets und immer wieder ähnlichen Instagramfotos?

Wir stellen fest, dass unsere Reichweite begrenzt ist. Meine Twitter-Bubble besteht fast nur aus Autoren. Vielleicht dem ein oder anderen Blogger, aber Leser findet man dort kaum.
Ich sehe also in meiner Timeline vor allem Lobeslieder von anderen über ihre eigenen Bücher.
Versteht mich nicht falsch, ich prangere das nicht an. Wir müssen werben. Immer wieder. … auch wenn wir jedes Mal nur die gleichen 500 – 5000 Leute erreichen, die uns folgen. Von denen vermutlich alle die wir animieren könnten, Buch längst gelesen oder zumindest gekauft haben.
Unser Bild verschiebt sich dadurch. Wie wir unsere Möglichkeiten sehen, verschieb sich dadurch. Plötzlich steht an jeder Ecke ein Autor, der uns UNSERE Leser wegnimmt. Hier ein neues Buch, dort eine Neuauflage und die Likes für unsere Bücher bleiben gleich. Zumindest wenn wir Glück haben. Manchmal ist es etwas besser, manchmal scheinen wir vergessen.
Autor X teilt schon wieder eine Rezension und ich hab keine Neue. Wie kann das sein? Mein Buch ist doch gut? Meine Bücher sind doch gut, oder nicht? Es schürt unsere Selbstzweifel. Und davon haben wir wirklich genug.

Die dunkle Seite

Und dann passiert das, was nicht passieren dürfte. Unsere Selbstzweifel führen uns auf die dunkle Seite von Social Media. Wir fangen an uns mit anderen Mitteln über unsere Kollegen zu erheben.
Vermutlich nicht einmal bewusst aber immer wieder sehe ich auf Twitter und Instagram Bullshitbingos die auf diverse Genres oder Autoren abzielen.

»Wieviele Klischees hatte das letzte das letzte Buch das ihr gelesen hattet?«

  • Er hat eine kleine Narbe im Gesicht
  • Ultra Schlagfertigkeit
  • Der Maskenball
  • Der Kuss im Regen
  • Der Bad Boy

Und was wir nicht alles angeben. Meist gefolgt von der Aussage, dass das eigene Buch ja nicht so ist.

Autoren fragen nach, welche Bücher von anderen denn abgebrochen wurden und in der kurzen Aufmerksamkeit, die das vielleicht aus dem eigenen Profil trägt, hängt man gleich an. »Mein Buch ist nicht wie die anderen.«

Reichweite generieren um jeden Preis und auch und vor allem auf dem Rücken anderer Schreibender.

Ich nehme mich hier nicht aus. Ich hab diese Bingos genauso geteilt, ich hab sogar das Schreiben von Wolfkisses nur begonnen um »zu beweisen, dass irgend etwas, dass gerade in ist, auch anders geht«. Mal unter uns das ist jetzt über 2 Jahre her und ich erinnere mich nicht mal mehr, was damals gerade so fürchterlich war, dass man es bekämpfen musste.

Sind alle Autoren egomanische Superschurken?

Wie die meisten von uns, haben ich mir dabei nichts gedacht. Aber es ist genau das Verhalten, dass wir an »Pick me Girls« bemängeln, und es ist unter Autoren Gang und gebe. Nicht alle, aber viele treten mit dieser Art von Werbung nach unten.

Warum eigentlich?

Was ist denn schlimm an den Klischees? Sie werden nicht umsonst oft und viel geschrieben, denn sie werden auch gerne gelesen. Und Beim letzten Bullshitbingo, das ich gesehen habe, hat Wolfkisses – Clanmächte von 20 Möglichen 15 oder 16 Treffer

Macht das dieses das Buch jetzt schlecht?
Nicht deswegen. Was ein Buch gut oder schlecht macht, ist die Umsetzung.
Aber über die redet keiner. Hier wird auf Klischees rumgetrampelt und jeder hofft, dass sein eigenes Buch nicht auftaucht. Sollte es nicht, weil … “Mein Buch ist nicht wie andere Bücher”, würde dann ja nicht mehr funktionieren.
Es wird in den Raum geworfen, dass Küsse im Regen, glitzernde Vampire, sexy Charaktere ja soooo langweilig sind und so klischeehaft und immer schön erwähnen dass, … ja ihr wisst es schon »mein Buch ja nicht so ist«.

Warum sind wir nicht besser?

Aber warum konzentrieren wir uns darauf, uns zu vergleichen? Warum versuchen wir andere Autoren, andere Bücher, andere Genres schlecht zu machen? Warum teilen wir Bullshitbingos und füllen sie selbst aus, erstellen sie sogar?
Warum werten wir andere so herab? Und vor allem:
Warum vergessen wir, dass wir damit auch unsere Leser herabwerten? Wir sprechen ihnen ab etwas gut zu finden, das Kischees enthält.

Wozu? Weil man jetzt auf den Zug aufspringen muss um Bücher zu lesen die »Nicht so sind wie andere Bücher.« Sonst ist man nicht mehr »in« und hat ja ohnehin keine Ahnung.

Was können wir ändern?

Warum sagen wir: »Mein Buch ist nicht wie andere Bücher.«
Stattdessen könnten wir sagen: »Das Schreiben dieser Geschichte hat mir unglaublich Spaß gemacht und das wirst du herauslesen können.«

Warum sagen wir: »Hahaha natürlich muss sie sich zwischen zwei Kerlen entscheiden wie Klischeehaft. Mein Buch ist nicht so wie dieses Buch.«
Und nicht: »Meine Protagonistin legt all ihre Anstrengungen darauf, ihr Ziel zu erreichen und lässt sich dabei von nichts und niemanden ablenken.«

Warum: »Es ist immer wieder die alte abgekaute Geschichte.«
Wenn wir doch eigentlich ebenfalls nur eine Variation einer längst geschriebenen Storyline reproduzieren. Denn egal, für wie klug und einzigartig wir uns halten. Da ist immer jemand, der die gleiche oder zumindest eine sehr ähnliche Idee hatte, die sich nur in der Umsetzung ändert.

Und ganz ehrlich. Wird ein Buch besser, nur weil es »nicht so ist wie die anderen Bücher?« Weil keine Klischees drin sind? Weil dein zentraler Charakter keine grünen Augen hat?
Nein dem ist nicht so.
Klischees sind nicht schlimmes. Der Kuss im Regen lässt unser Herz schneller klopfen.
Wenn ein Loveinterest gerettet wird und der rettende Charakter endlich den Namen sagt anstelle des neckischen Kosenamens und mit dieser Kleinigkeit zeigt, wie wichtig sein Gegenüber ist, wie groß die Angst eine geliebte Person zu verlieren, bricht uns das Herz.

Der Konkurrenzkampf findet nur in unseren Köpfen statt und das nach unten Treten ist unsere Entscheidung. Wir Defamieren andere für ein paar Likes, für einen Retweet und sehen nicht einmal, was wir da tun. Zumindest will ich uns an dieser Stelle einfach mal keine Bösartigkeit unterstellen.

Mein Fazit

Ich bin schuldig. Genauso wie viele andere habe ich mir nichts dabei gedacht.

Das will ich ändern. In Zukunft will ich darüber nachdenken, ob ich gerade Werbung für mein Buch mache, oder nur das eines anderen Autors diffamiere, und ich hoffe, dass andere Autoren nachziehen und diesen sinnlosen Konkurrenzkampf damit beenden.

Vielleicht hilft es auch, sich selbst klarzumachen, dass Social Media nicht unbedingt für jeden die geeignete Werbeplattform ist.

Ein Großteil meiner Buchverkäufe kommen nicht davon, dass ich meine Zeit auf Twitter totschlage, sondern von Werbemaßnahmen, die z.B. Tolino-Media anbietet. Newslettern und dem ein oder anderem gesponsertem Post bei Instagram und mit etwas Glück gibt es 2022 auch wieder die ein oder andere Messen und wir können aufhören, auf dem Zahnfleisch zu kriechen.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.