Die Schöpferin der Welten

Die ungeschehenen Chroniken
Die Schöpferin der Welten

Eine Fanfiction zu der Unsternreihe von Katrin Ils. Angesiedelt zwischen Flammendunkel und Schattenkünder, ungefähr Zeitgleich mit Sonnengift.

Kerra schreckte auf. Der fahle Mondschein beleuchtete das Zimmer nicht ausreichend, um mehr als nur Konturen auszumachen.
Sie lauschte nach dem Geräusch, welches sie aus ihrem Schlaf gerissen hatte, doch stattdessen war nur das gewöhnte, gleichmäßige Atmen zu hören.
Erleichtert ließ sich in die weichen Kissen zurücksinken, nur um sich wenige Augenblicke später wieder aufzusetzen. War da nicht etwas gewesen? Leise, aber näherkommend?
Eine Hand strich ihr über den Rücken.
»Kannst du nicht schlafen?« Die Stimme des Dämons von Alat war schlaftrunken.
»Mhhh, ich dachte, ich hätte etwas gehört.«
Ravid drehte sich zur Seite und zog die Decke wieder ein Stück nach oben.
»Vermutlich der Wind. Oder es sind die Isch. Um diese Zeit spielen sie gerne Streiche.«
Kerra zeichnete das Symbol gegen die dunklen Mächte in die Luft vor sich. »Und was ist, wenn SIE es ist?«
Mit einem Seufzen setzte nun auch Ravid sich auf. Er zog Kerra an sich und küsste sie auf ihr zerzaustes Haar. »Sie ist es nicht. Ich habe Neni beauftragt, sie zu beschäftigen, und sonst weiß keiner, dass du hier bist.« Sein leises Lachen vertrieb für einen Moment ihre düsteren Gedanken. »Wer würde dich auch bei mir vermuten?«
Sie löste sich von ihm. Ihr Blick wanderte zu Ravid, der, reichlich verschlafen aussah, weniger wie ein Dämon, mehr wie eine schlaftrunkene Katze.
»Ich glaube, es ist besser, wenn ich gehe.« Kerra streckte die Füße aus dem Bett und war sofort versucht, sie wieder zurückzuziehen. Obwohl Alat tagsüber fast unerträglich heiß wurde, kühlte die Wüstenstadt bei Nacht empfindlich ab.
»Du vertraust mir nicht?«
Seine Frage kränkte Kerra. Natürlich vertraute sie ihm nicht, immerhin war er ein Verbrecher! Doch die einzige Person, die unberechenbarer war, als der Dämon selbst, war die, deren Namen man in Alat nicht aussprach. Die, deren Werk er tat.
»Wenn SIE das hier mitbekommt, bringt SIE uns um.«
Ravid lachte: »Sie hat Pläne mit dir, sie wird dich nicht umbringen.«
Kerra stand auf und hob ein Kissen auf, welches in den vergangenen Stunden aus dem Bett gefallen war. Darunter fand sie ihre Dolche. Es waren neue, nachdem die alten noch immer unter der Stadt lagen. Nachdenklich hob sie sie auf und legte sie auf das Fußende des verführerisch warmen Bettes.
»Ich mag dich.«, erwiderte sie, »und ich will nicht, dass sie dich dafür bestraft.«
»Kerra, du solltest nachts nicht alleine durch das Nest laufen, hier gibt es Verbrecher. Das sind teilweise wirklich üble Typen.«
»Ach?« Sie zog eine Augenbraue hoch und musterte Ravid.
Ein zischendes Geräusch ließ die beiden Aufschrecken. Unsicher sah Ravid sich um. Kerra hielt sich damit nicht auf, sie griff nach ihrer Hose und schlüpfte hinein.
»Was war das?« Ravid war mittlerweile aufgesprungen und hastete zum Fenster.
»Das war die Kaffeemaschine.«, erklärte Kerra. »Du hast sie noch nie vorher gehört oder?«
Sein ratloses Kopfschütteln ließ sie lachen: »Dieses Geräusch höre ich immer, wenn sie schon morgens beginnt in meinem Leben herumzupfuschen.«
Kerra zogsich die Tunika über und verschloss den Gürtel. Ravid sammelte ihre Schuhe auf und brachte sie ihr. Dankend nahm sie das ausgetretene Paar entgegen.
»Sieht aus, als wäre Neni nicht ganz so effektiv, wie du gehofft hattest.«
Auch Ravid zog sich an, doch ehe er fertig war sprang Kerra auf. Sie verstaute ihre Dolche, ehe sie das Gesicht des Dämons zwischen die Hände nahm und den halb verschlafenen Halunken küsste. »Es waren ein paar schöne Tage, aber ich habe jetzt nur noch fünf Minuten, um möglichst weit weg zu kommen.« Sie wartete nicht auf eine Antwort, sondern sprintete zu Tür.
Kerra rannte die Treppen hinunter, vorbei an einer verdutzten Arie, auf die Straße.
Die kalte Nachtluft vertrieb den letzten Schlaf und Kerra rannte los, quer durch das Labyrinth des Nestes, um möglichst schnell in eine sichere Gegend zu kommen.

Wie immer, wenn die Weltenschöpferin sich einmischte, brauchte die Sonne nur Minuten, um die Stadt in ihr morgendliches Licht zu tauchen, doch Kerra hatte den Mondbrunnen bereits erreicht. Sie setzte sich auf den Rand und genoss einen Schluck von dem kühlen Wasser.
»Guten Morgen.« Die Stimme aus dem Nichts war aufgewacht, der Geruch von frischem Kaffee lag in der Luft. »Was machst du so früh schon draußen?«
Kerra lachte: »Ich hatte für den Mondschieber zu tun, das wüsstest du, hättest du nicht die ganze Nacht prokrastiniert.« Die Lüge kam ihr leicht über die Lippen. Was sie mit der Weltenschöpferin verband, war schwer zu beschreiben, doch Kerra nutzte jeden kleinen Vorteil für sich. Wieder versuchte sie sich einen Reim, aus der geheimnisvollen Frau, zu machen. Den Akzent der Stimme einzuordnen war unmöglich. Sie kam mit Sicherheit aus einem fremden Land. Noch niemand hatte die Schöpferin der Welt gesehen. Man sagte, sie sei älter als Caja, manche behaupteten sogar, dass sie die Göttin erschaffen hatte. Doch konnte das sein?
Kerra verscheuchte die Gedanken. Sie sprang auf und streckte sich: »Was passiert heute mit mir? Fällt mir ein schweres Instrument auf den Kopf? Wird Mareen mir einen Finger abschneiden, oder muss ich lernen, meine Eingeweide wieder in den Magen zu stopfen?«
»Du bist ganz schön gut drauf, für einen Protagonisten.« Die Schöpferin nahm einen Schluck Kaffee. »Heute suchen wir deine Freunde. Ich dachte, wir könnten mal bei Ravid vorbeisehen.«
»Bei dem? Muss das sein? Der ist doch fürchterlich!«
»Ja, ist er. Aber die Leser mögen ihn, sei froh, dass das hier Dark Fantasy ist, sonst müsstest du noch mit ihm Anbandeln.«
Lächelnd verfiel Kerra in einen leichten Laufschritt. Sie folgte dem Weg, den sie heute schon einmal in die entgegengesetzte Richtung genommen hatte.
»Das wäre fürchterlich!«, erwiderte sie und wartete darauf, was die Schöpferin sich als Nächstes ausgedacht hatte.

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2 thoughts on “Die Schöpferin der Welten

    1. Danke dir!
      Aber Katrin hat da auch zwei wunderbare Charaktere geschaffen. Ich habe ihnen nur eine kurze Auszeit gegönnt.
      Vielleicht kann ich mich jetzt wieder auf meine Halunken konzentrieren.

      Alles Liebe
      Katania

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